Aus für Fujitsu, Aus für die CEBIT, Vorzeichen bei Kuka

Ergänzung zum Artikel„Niedergang unterhalb der Wahrnehmungsschwelle?“

Aus für die CeBit

Das hat kaum einer kommen sehen: Die Hannover Messegesellschaft hat die Cebit für 2019 abgesagt. Laut Homepage cebit wolle man das Messeangebot „neu sortieren“. Damit ist die ehemals größte Computermesse der Welt Geschichte.

Das trifft hart: auch Fujitsu Augsburg wird geschlossen

Als ich für den Artikel über den versteckten Niedergang der deutschen Wirtschaft die Unternehmen in Augsburg wählte, war noch nicht absehbar, dass es auch Fujitsu erwischen würde. 1800 Mitarbeiter werden entlassen und der Standort in Augsburg geschlossen. Bis spätestens September 2020 ist alles abgewickelt.

Damit hat Augsburg ein weiteres Technologieunternehmen verloren und trocknet diesbezüglich aus. Trotz Bemühungen, neue Firmen anzusiedeln und trotz Investitionen in Augsburg als Umwelthauptstadt Bayerns werden hochqualifizierte Experten arbeitslos sein oder abwandern müssen.

Manches wird in diesem Zusammenhang falsch dargestellt, z.B. im Interview mit Prof. Gordon Rohrmair von der Hochschule Augsburg. Die Firma stellte keine Halbleiter her, daher spielt es auch keine Rolle, ob die Technologie hier in Deutschland produziert werden kann. Zudem zeigt AMD Dresden, dass man sehr wohl in Deutschland selbst Halbleiter konkurrenzfähig herstellen kann. Und die Kerntechnologie, die für die immer kleineren Strukturen auf den High-End Siliziumchips benötigt wird, wird an der Weltspitze von der Carl Zeiss SMT in Oberkochen entwickelt und hergestellt. Es ist keine Frage des Standorts. Es ist eine Frage des Managements.

Auch liegt die Argumentation falsch, dass deutsche Unternehmen keine Consumer-Produkte herstellen können, nur bei B2B (Business to Business) stark sind. Denn Fujitsu hatte sich klar auf Geschäftskunden, also B2B spezialisiert und andere Firmen, wie auch unsere Automobilunternehmen können sehr erfolgreich Produkte für Endkunden entwickeln, produzieren und vermarkten.

Das Problem des Standorts war seit den 1990er Jahren, dass Innovationen und Mehrwert nicht vermarktet wurden. Auf diese Weise führt jede Innovation nur zu Mehrkosten, nicht aber zu Mehreinnahmen. Hätte es das Unternehmen geschafft, ein durchgängiges Geschäftsmodell und eine Durchgängigkeit in Marketing und Verkauf zu entwickeln, so wie es Apple getan hat, wäre es sehr rentabel gewesen und hätte ebenfalls ein großes Wachstum hinlegen können. Nach der Übernahme durch Fujitsu wurden,  wie schon beschrieben, zukunftsträchtigen Geschäftsgebiete durch den japanischen Mutterkonzern nach Japan geholt und der Standort Augsburg/Deutschland in seiner Geschäftspraxis gedeckelt. Ausgangspunkt der Negativentwicklung war, dass schon Siemens den Glauben verfolgte, dass IT in Europa keine Zukunft hätte und deshalb die Sparte nur verkaufen wollte, statt darin zu investieren. Dieser Glaube wurde 20 Jahre später zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

So wird also ein Unternehmen das in den 1990er Jahren noch Marktführer in Deutschland war und die innovativsten Produkte des Jahres entwickelte, jetzt begraben. Mir persönlich tut das besonders leid, denn ich begann meine Karriere als Ingenieur und Projektleiter in dem damals dynamischen Unternehmen und war verantwortlich für das Produkt des Jahres der Cebit 1998. Die CeBit gibt es jetzt nicht mehr und das innovative Unternehmen bis 2020 auch nicht mehr.

Das Geschäftsgebiet wird nun woanders betrieben, vor Allem in Asien.

Vorzeichen bei KUKA

Kuka wird nicht jetzt, aber früher oder später dieselbe Entwicklung nehmen. Inzwischen ist der Vorstandsvorsitzende Till Reuter zurückgetreten. Im Januar wurde angekündigt, dass in Deutschland Stellen abgebaut und mehr Aktivitäten nach China verlegt werden

Selektive Wirtschaft?

Was bleibt noch, wenn die technologisch führenden Unternehmen an Konkurrenten mit anderen Interessen veräußert werden? Die Automobilbranche allein wird Europa nicht wirtschaftlich tragen. Und ob sie im Bereich E-Mobilität führend sein wird, muss sich erst noch zeigen. Es ist angesichts der Bemühungen in Fernost und USA nicht sehr wahrscheinlich. Warum deutsches Management die Technologie der Zukunft, die IT, Digitalisierung, KI, AR, usw. nicht in Deutschland haben will, bleibt unklar. Wenn man hierzulande Autos mit mehreren hundert Stunden Fertigungszeit herstellen kann, warum dann nicht z.B. Computer mit max. 1 Stunde Fertigungszeit? Das hat keine Logik.

 

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