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Falsches Bruttoinlandsprodukt, falsche Schlüsse, falsche Wirtschaftspolitik

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steht derzeit in der Kritik, weil es den Fokus der Wirtschaftspolitik auf ein zahlenmäßiges Wachstum der Wirtschaft bringt, statt auf echten Wohlstand, Nachhaltigkeit oder auch Faktoren wie eine Glücksindikation. Viel gravierender aber ist die grundlegend ungenügende Berechnung und Darstellung bezüglich der Einkommen in der Volkswirtschaft


Das ist das BIP und so entsteht es

Der Produktionswert wird aus den gesamten Einnahmen aller Unternemen innerhalb eines Jahres errechnet. Dies ist der Ausgangspunkt aller Betrachtungen. In dieser Zahl stecken allerdings doppelte Verrechnungen, beispielsweise wird ein Auto verkauft. An diesem sind z.B. Reifen montiert, die zugekauft wurden. Und darin werden z.B. Rohstoffe verarbeitet, die wiederum zugekauft wurden. Diese „Vorleistungen“ [siehe Wikipedia Erklärung] werden also für die Berechnung des BIP abgezogen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst nominell die im Inland erbrachte Wirtschaftsleistung [hier ein guter Überblick: WiWiWeb] -> „Was hat die Wirtschaft in diesem Jahr geleistet“.

Falsche Entstehungsrechnung

In der Entstehungsrechnung jedoch werden die Kapitalkosten ebenfalls als „Vorleistungen“ herausgerechnet und das ist ein Fehler. Denn Der Kunde bezahlt beim Produktkauf die Kapitalkosten mit. Die Unternehmen müssen eine Wertschöpfung erbringen, die nicht nur die Mitarbeiter und Steuern bezahlt, sondern auch die Kapitalkosten.

In der Entstehungsrechnung werden einfach gezahlte Zinsen gegen empfangene Zinsen und gezahlte Ausschüttungen gegen empfangene Ausschüttungen aufgerechnet. Übrig bleibt nur das „FISIM“, das die Wertschöpfung von Banken symbolisieren soll.

Quelle der Daten: deStatisStatistisches Jahrbuch 2019Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Falsche Verteilungsrechnung

Da der Löwenanteil der Vermögenseinkommen auf diese Weise aus der Entstehungsrechnung herausgenommen wird, sind diese auch in der Verteilungsrechnung nicht enthalten. Es entsteht ein verzerrtes Bild:

In der Außendarstellung sieht die Verteilung in unserer Volkswirtschaft so aus:

Darstellung der Uni Greifswald

Das Volkseinkommen sei so verteilt: Arbeitnehmereinkommen 1746 Mrd. €, Unternehmens- und Vermögenseinkommen 785,9 Mrd. €. Was sofort auffällt: Wo sind hier Rente, Pension, Harz IV? Wo ist das Selbständigeneinkommen und warum sind Vermögenseinkommen nicht separat ausgewiesen? Und wo sind die Steuern?

Arbeitet man sich in die Zahlen hinein wird es klar: Den „Arbeinehmereinkommen“ werden Lohnsteuer und Arbeitnehmer-, sowie Arbeitgeberanteil der Sozialbeiträge inkl. Krankenkassenbeiträge zugerechnet. In Wirklichkeit bekommen die Arbeitnehmer nur netto 975,5 Mrd. €. 706 Mrd. € sind Abgaben, davon der Löwenanteil Rente 300 Mrd. €, Pension 57 Mrd. €, Krankenversicherung 241 Mrd. €. Arbeitslosengelder betragen rund 33 Mrd. € [Jahrbuch 2019, S. 242]. 

Im „Unternehmens- & Vermögenseinkommen“ sind Selbständigeneinkommen in Höhe von 165,9 Mrd. € eingerechnet, Entnahmen von Unternehmern und nur die Different der Vermögenseinkommen. Hier fehlt der Löwenanteil des tatsächlichen Vermögenseinkommens.

Das Vermögenseinkommen ist bei Weitem höher

Das für 2018 statistisch erfasste empfangene Vermögenseinkommen in der Volkswirtschaft beträgt 767,0 Mrd. €: 395 Mrd.  Ausschüttungen, 240 Mrd. € Zinsen, 114 Mrd.€ sonstige, Pacht 6 Mrd. €, Welt 37 Mrd. € [VWL-Gesamtrechnung]. Davon gehen 408,5 Mrd. € an Privatpersonen, der Rest fließt Vermögensanlagen in Banken zu, erhöht also das Vermögen von Privatpersonen, ohne direktes Einkommen zu sein. Das Vermögenseinkommen ist im Wesentlichen nur von der Abgeltungssteuer in Höhe von ca. 7 Mrd. € jährlich belastet.

Auffälliger war dieser Fehler noch im Jahr des Zusammenbruchs des Finanzsystems 2008: Damals lag das volkswirtschaftliche Vermögenseinkommen bei knapp 1 Billion Euro und damit fast auf dem Niveau des gesamten Staats- und Sozialversicherungshaushalts. Die Privathaushalte erhielten davon geldlich fast die Hälfte. In der Verteilungsrechnung lagen die „Unternehmens- & Vermögenseinkommen“ inkl. 160,9 Mrd. € Selbständigeneinkommen und Unternehmerentnahmen aber nur bei 628,3 Mrd. €.

Richtige Berechnung

Da auch die Kapitalkosten von den Unternehmen erwirtschaftet werden müssen und in den Verkaufspreisen berücksichtigt sind, muss die Wertschöpfungsberechnung diese beinhalten. Dadurch erhöht sich das BIP von 3.386 Mrd. € auf 4.101,5 Mrd. €. Die Verteilung, abzüglich Abschreibungen, Saldo der „Primäreinkommen übrige Welt“ und Subventionen sieht real so aus: Arbeitnehmereinkommen: 975,5 Mrd. €, Selbständigeneinkommen: 165,5 Mrd. € abzgl. EKSt, Unternehmereinkommen: ca. 568,5 Mrd., Vermögenseinkommen 767 Mrd. € abzgl. 7 Mrd. € Abgeltungssteuer, davon 408,5 Mrd. € geldlich, der Rest indirekt Vermögenssteigernd.

Einseitige Vermischung

Dazu kommt noch ein Ungleichgewicht: Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und das BIP beziehen sich eigentlich auf Geldfluss (Flussgrößen). Diese werden aber mit Abschreibungen (Veränderung von Sachvermögens-Bestandsgrößen) vermischt. Andererseits werden aber Vermögenssteigerungen durch Immobilienpreise oder Aktienkursgewinne nicht mit eingerechnet. Auf diese Weise herrscht also auch ein Ungleichgewicht in der Betrachtung von Vermögen.

Es ist absolut logisch, dass beispielsweise die Steuerpolitik, durch diese einseitige Messung und Darstellung, nie ausgewogen betrachtet und gestaltet wird.

Bedeutung

Geleistete Zinsen sind ebenso wie Dividenden und Gewinnentnahmen eine Form der Ausschüttung von Gewinnen aus der Produktionstätigkeit. Sie sind entgegen der Behandlung in der Statistik keine Vorleistung,  Denn fremdes Finanzkapital produziert ebensowenig etwas, wie Eigenkapital. Genausowenig wie es sinnvoll ist, gezahlte Dividenden als Vorleistung von der Wertschöpfung abzuziehen, ist es sinnvoll, gezahlte Zinsen von der Wertschöpfung abzuziehen.  

Vermögenseinkommen sind immer Umverteilung von Wertschöpfung (nichtfinanzielle Unternehmen und Arbeitskräfte) zu Vermögen (bereits vorhandenes Geld- und Anlagevermögen). Und zwar in mathematischer Abhängigkeit: je höher das Vermögen, desto höher das Vermögenseinkommen und der Anteil am gesamten Vermögenseinkommen.

Die Gewinne, die als Zinsen an die Fremdkapitalgeber ausgeschüttet werden, und in der Statistik unsichtbar bleiben, müssen von den Konsumenten, vor allem also den Arbeitnehmern, bezahlt werden. Es gibt hier also eine Umverteilung von Arbeitnehmern zu Kapitaleinkommensbezieheren und von  „Arm“ nach „Reich“, die in der Statistik unsichtbar gemacht wird.  


Staatsquote

Die „Initiative Soziale Marktwirtschaft“, der „Bund der Steuerzahler“, beides Lobbyverbände [Lobbypedia], und andere Protagonisten prangern immer wieder die Staatsquote an. Sie lag einmal bei annähernd 50%, was laut dieser Verbände bedeute, dass „jeder 2. Euro durch Staatshände“ fließe. Das ist grundsätzlich falsch, weil der Bezugspunkt für diese Berechnung das falsch berechnete BIP ist statt der Produktionswert. Auf den Produktionswert bezogen liegt die Staatsquote in 2018 nicht bei 43,9% sondern bei 17,9%. So berechnet geht also nicht einmal jeder 5. Euro durch staatliche Hände.

Vermögenseinkommensquote

Überhaupt nicht berechnet oder erwähnt wird hingegen die Vermögenseinkommensquote. Sie betrug 2008, wenn so berechnet wie die Staatsquote, 38,7%. Bezogen auf das echte BIP, lag sie bei gut 30%.

Anders ausgedrückt: In 2008 flossen rund 1/3 der Unternehmenseinnahmen an Vermögenseinkommen ab, bevor ein einziger Euro an Staat oder Mitarbeiter bezahlt werden konnte. Die Verteilung war annähernd: 1/3 Vermögenseinkommen, 1/3 Sozialkasse&Staat, 1/3 Arbeitseinkommen.

Da Vermögenseinkommen eine Verteilung von „Arm“ nach „Reich“ ist, wirkt sie genau gegenteilig wie die Staatsquote, die das Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit als Ziel hat.

Behinderung des volkswirtschaftlichen Kreislaufs

Volkswirtschaftlich ist eine hohe Vermögenseinkommensquote ein Problem, denn reiche Menschen geben ihr Geld nicht aus sondern legen es an. Wird dieser Anteil zu groß, kann eine Wirtschaft nicht mehr funktionieren, weil die Nachfrage einbricht. Dadurch, dass die Statistik die Einkommen der Kapitalbesitzer zu niedrig ausweist, macht sie eine wichtige Ursache für eine geringe Konsumquote und geringes Wirtschaftswachstum unsichtbar. 

Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft

Dass die Zinslast auf der Volkswirtschaft von 2008 jährlich 547 Mrd. € auf 191 Mrd. €, die Vermögenseinkommensquote von 38,7% auf 22,7% geschrumpft ist, ist ein ganz wichtiger Grund, warum die Wirtschaft seither wieder funktioniert und warum Löhne und Gehälter steigen konnten.

Die niedrigen Zinsen enteignen also die Bürger nicht, sie dienen den unteren Einkommen. Wenn da nicht die Wertsteigerung von Immobilien und Wertpapiere durch die Geldschwemme wäre, die indirekt die arbeitsbezogenen Einkommen entwerten. 

Quelle der Daten: deStatisVolkswirtschaftliche Gesamtrechnung Sektoren

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten werden als der zentrale Wettbewerbsfaktor für Volkswirtschaften gesehen und werden von der Wirtschaftspolitik z.B. durch Kleinhalten von Sozialbeiträgen und Druck auf Lohnniveaus, indirekt durch Sanktionierung von Sozialhilfeempfängern, beeinflusst. Sie entwickelten sich von 2008 bis 2018 leicht nach „oben“ (Faktor 0,491 auf 0,516)

Die Wirtschaftspolitik richtet ihre Aufmerksamkeit heute auf die Verbesserung einer nationalen Wettbewerbsfähigkeit durch Senkung der Lohnstückkosten. Das bedeutet aber nichts Anderes, als den Inlands- Wohlstand zu drücken, um im Ausland niedrigere Preise anbieten zu können.

Kapitalstückkosten

Die Kapitalstückkosten werden zwar von Firmen wie Aldi seit Jahrzehnten als wichtiger Wettbewerbsfaktor erkannt und optimiert. Auf der Volkswirtschaftsebene aber finden sie überhaupt keine Beachtung. Gerade hierin liegt eine große Chance für eine intaktere Wirtschaft und eine bessere Wirtschaftspolitik. Dass die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren zunehmend exportstark war, liegt nicht zuletzt daran, dass die Zinslast auf der Volkswirtschaft von damals jährlich 547 Mrd. € auf 191 Mrd. €, die Vermögenseinkommensquote von 38,7% auf 22,7% geschrumpft ist.

Die sinkenden Kapitalstückkosten (Faktor 0,387 auf 0,227) sind ein ganz wichtiger Grund, warum die Wirtschaft seither wieder funktioniert und warum Löhne und Gehälter steigen konnten.

Niedrige Zinsen enteignen nicht, sie ermöglichen hohes Arbeitseinkommen

Die niedrigen Zinsen enteignen also die Bürger nicht, sie dienen den unteren Einkommen. Und sie ermöglichen einen intakten volkswirtschaftlichen Kreislauf und damit ein steigendes Bruttoinlandsprodukt.

Wenn da nicht die Wertsteigerung von Immobilien und Wertpapiere durch die Geldschwemme wäre, die indirekt die arbeitsbezogenen Einkommen entwerten. Die Mehrheit der Bürger bezahlt diesen Vorteil heute mit höheren Mieten und einem, im Vergleich zu den großen Aktien- und Immobilienvermögen, entwerteten Einkommen und Vermögen (auch wenn das im Inflationswarenkorb nicht gemessen wird, siehe hier).

Innerhalb des heutigen Finanzsystems sind niedrige Zinsen keine nachhaltige Lösung, denn sie führen zu Vermögensverschiebungen. In einem System, das Zinsen überflüssig macht, wäre das anders (siehe hier). Das zu betrachten würde aber den Umfang dieses Artikels sprengen.

Fazit

Das BIP wird falsch berechnet, was vor Allem zu Fehlbetrachtungen in der Verteilung führt. Die Fehlbetrachtungen führen zu falscher Bewertung von Wettbewerbsfaktoren, Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik.

Wir reden also nicht allein über Leistungsgerechtigkeit sondern auch über die Prinzipien einer intakten Wirtschaft. Die richtige Gestaltung hängt im ersten Schritt von der richtigen Messung ab.

Es ist dringend erforderlich, dass wir die Wirklichkeit betrachten, bevor wir an Lösungen arbeiten.


Anhang: Fakten zum selbst nachvollziehen

Damit das, was hier dargestellt wird nicht einfach eine Meinung ist, sondern zu Wissen wird, lade ich Sie ein, die Betrachtungen anhand der Unterlagen des Statistischen Bundesamtes direkt nachzuvollziehen. Betrachten wir dies anhand der aktuellsten verfügbaren vollständigen Zahlen darüber, den Daten von 2018.

  • Laden Sie sich die Inlandsproduktberechnung Jahresbericht herunter, hier der für 2018 (der aktuellste endgültige Jahresbericht): deStatis
  • Auf Seite 275 finden Sie den volkswirtschaftlichen Gesamtumsatz, „Produktionswert“ genannt für 2018. Er betrug 6.189,483 Millionen Euro. Diese Zahl kann natürlich Schwarzarbeit und Verkäufe ohne steuerliche Erfassung nicht beinhalten, hat also einen gewissen Fehlergrad.
  • Davon werden „Vorleistungen“ in Höhe von 3.177.173 Mio. Euro abgezogen, um die Bruttowertschöpfung zu berechnen. Hier ergeben sich allerdings zahlreiche Fehler- und Manipulationsmöglichkeiten, je nachdem was als Vorleistung definiert wird. Denn wie soll das Bundesamt im Detail wissen, welcher Teil der Wertschöpfung doppelt verrechnet wurde? Und hier finden wir auch fragliche Definitionen vor, denn es werden z.B. Anwaltskosten herausgerechnet, das BIP bezieht sich also letztlich auf Produktionswerte und nimmt Dienst-Leistungen teilweise aus der Gleichung. Und es werden Teile der Finanztransaktionen (FSIN) ebenfalls einfach als Vorleistung definiert, obwohl die Zahlungen ja ebenfalls von den produktiven Unternehmen erwirtschaftet werden müssen (s. Definitionen unten).
  • Abzüglich der Abschreibungen in Höhe von 608.731 Mio. Euro ergibt sich eine Nettowertschöpfung von 2.403.579 Mio. Euro. Die Abschreibungen sind kein Geldfluss, sondern ein buchungstechnisch abgeschätzter Wertverfall der gesamten Volkswirtschaft.
  • Die Bruttowertschöpfung ist das BIP + Gütersteuern – Gütersubventionen.
  • Auf Seite 278 finden Sie dann die Aufstellung zu den Primäreinkommen.
  • Empfangene Arbeitnehmerentgelte 1.771.278 Mio. Euro. Das klingt viel, ist aber inklusive Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherung, Krankentversicherung und Einkommensteuer.
  • Betriebsüberschuss und Selbständigeneinkommen 637.674 Mio. Euro. Da werden Selbständige Arbeitseinkommen mit Unternehmereinkommen und Vermögenseinkommen vermischt.
  • Empfangene Zinsen 218.556 Mio. Euro, das ist seit 2008 mit ca. 550 Mrd. Euro, durch die niedrigen Zinsen, extrem zurückgegangen.
  • Empfangene Ausschüttungen und Entnahmen 396.519 Mio. Euro: Das sind im Wesentlichen Gewinnausschüttungen von Unternehmen, z.B. über Aktien-Dividenden.
  • Sonstige Kapitalerträge 114.233 Mio. Euro, Pachteinkommen 6.175 Mio. Euro. Letztere sind erstaunlich niedrig, was an den hohen gegenüberstehenden Abschreibungen liegen kann.
  • Da insgesamt empfangene und geleistete Zinsen, Ausschüttungen und sonst. Kapitalerträge ähnlich groß sind, heben sie sich in der Gesamtberechung des Primäreinkommens annähernd auf. Sie sind aber für einen bestimmten Teil der Bevölkerung sehr relevantes Einkommen. Und für z.B. Unternehmen sehr relevante Ausgaben.
  • Wenn man das Gleiche bei Arbeitseinkommen tun würde, also erhaltene und bezahlte Arbeitnehmerentgelte listen, würden sich diese auch aufheben. Es ist nicht ganz verständlich, warum das unterschiedlich gehandhabt wird. Aber in der Darstellung der Verteilung der Primäreinkommen sieht es dann so aus, als würden Kapitaleinkünfte keine Rolle spielen und Arbeitnehmerentgelte dominieren.
Quelle: deStatis

Auf Seite 23 finden Sie die Definitionen der Begrifflichkeit. z.B.

Unter Vorleistungen ist der Wert der Güter (Waren und Dienstleistungen) zu verstehen, die inländische Wirtschaftseinheiten von anderen (in- und ausländischen) Wirtschaftseinheiten bezogen und im Berichtszeitraum im Zuge der Produktion verbraucht haben. Die Vorleistungen umfassen außer Rohstoffen, sonstigen Vorprodukten, Hilfs- und Betriebsstoffen, Brenn- und Treibstoffen und anderen Materialien auch Bau- und sonstige Leistungen für laufende Reparaturen, Transportkosten, Postgebühren, Anwaltskosten, gewerbliche Mieten, Benutzungsgebühren für öffentliche Einrichtungen usw. In der Regel schließen die Vorleistungen nicht die eingesetzte Handelsware ein, da auch der Produktionswert von Handelsaktivitäten nur in Höhe des Dienstleistungsentgelts (Handelsmarge) gebucht wird.

FISIM ist die Abkürzung des englischen Begriffs „Financial Intermediation Services, Indirectly Measured“, ins Deutsche übersetzt „Finanzserviceleistungen, indirekte Messung“. … Werden die Finanzserviceleistungen .. von Wirtschaftseinheiten im Produktionsprozess als Vorleistungen verwendet, so führt die gestiegene Wertschöpfung der Kreditinstitute nicht zu einer höheren gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung,

Der Betriebsüberschuss/Selbstständigeneinkommen ergibt sich nach Abzug des Arbeitnehmerentgelts und der sonstigen Produktionsabgaben von der Nettowertschöpfung des Wirtschaftsbereichs bzw. Sektors und der Addition der sonstigen Subventionen. Bestandteile des Betriebsüberschuss/Selbstständigeneinkommens sind die Entlohnung der unternehmerischen Leistung sowie das Entgelt für das eingesetzte eigene und fremde Sach- und Geldkapital der jeweiligen Wirtschaftseinheit.

Hier konkret die Zahlen für 2019:

Entstehung, Verwendung und Verteilung des Bruttoinlandsprodukts
Quelle: deStatis

Titelbild – Bildquelle: winvic@Fotolia

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About CU_Mayer

Über den Autor Nach Beginn im kaufmännischen Zweig studierte Dipl.-Ing. (FH) Christoph Ulrich Mayer, geboren 1968 in Krumbach (Schwaben), Nachrichtentechnik. Er arbeitete mehrere Jahre als Ingenieur und Projektleiter, bevor er sich 2001 mit Ingenieur-Dienstleistung, Unternehmensberatung & Coaching selbständig machte. Seit ca. 15 Jahren arbeitet er als Systemischer Coach. In dieser Zeit lernte er die unterschiedlichsten Denkweisen und Wertesysteme, auch anderer Kulturen, kennen und entwickelte somit einen Weitblick für gesellschaftliche Zusammenhänge. Durch die Beratungsarbeit in Unternehmen kennt er zudem viele Hintergründe, die die Wirtschaftsprozesse besser verstehbar machen. In jahrelanger intensiver Arbeit verfasste er das Buch "Goodbye Wahnsinn - vom Kapitulismus und Kommunismus zum menschenGerechten Wirtschaftssystem". Auf unorthodoxe Weise setzt er sich mit Lehren von Adam Smith bis Karl Marx und mit Sichtweisen von Norbert Blüm bis Sarah Wagenknecht auseinander. Sein Anliegen ist, mit seinen Erkenntnissen und Lösungen zu zeigen, dass wir eine bessere - eine nachhaltigere - Zukunft wählen können.

One thought on “Falsches Bruttoinlandsprodukt, falsche Schlüsse, falsche Wirtschaftspolitik

  1. Matthias

    Hallo Herr Mayer,

    das was mit der Verteilungsseite des BIP und insbesondere dem Volkseinkommen was nicht stimmt, ist mir auch schon vor Jahren aufgefallen, habe die Sache aber damals nicht rund bekommen und sie nicht weiterverfolgt. Können Sie die genauen VGR-Konten, so wie Sie diese als korrekt ansehen würden, zusammenstellen? Es wäre wichtig, dieses Thema weiterzuverfolgen.

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